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06 Dez

Editorial von Walter Thieme: Weihnachts- und Silvestergalopp

Vielleicht geht es Ihnen auch so: Von Jahr zu Jahr kommt es mir mehr vor, als beschleunige sich unser Leben. Nur ein paar Beispiele: Das im Laufe der Jahre immer beliebter gewordene Halloween zu Ende Oktober kommt vielen Zeitgenossen schon frühzeitig in den Sinn. Wochen vor dem Ereignis haben viele schon die ersten kürbisbasierten Dekorationen vor die Tür gerollt. Die typischen Sachen zum Erschrecken kommen dann nach und nach – und bleiben meist bis Mitte November hängen.

Und ab November gibt es dann allseits kein Halten mehr: Selbst die Diskounter schmücken meist ziemlich (vor-) zeitig ihre Prospekte mit Tannengrün- und Glöckchenbildern, während letztere draußen in den Fußgängerzonen schon tatsächlich und vernehmlich bimmeln. Mit der Ruhe auf den Plätzen und Straßen der Ortschaften ist es dann vorbei. –  Der Weihnachts- und Silvestergalopp beginnt.

Auf zum Weihnachtsmarkt! - Kaum eine Stadt will darauf in der Adventszeit verzichten. Manche Innenstädte werden dafür hermetisch abgeriegelt. Nach Angaben des Deutschen Schaustellerbundes gab es zuletzt in Deutschland mehr als 2500 verschiedene Weihnachtsmärkte. –  85 Millionen Menschen sollen sie besucht haben (2011 taten das nur fünfzig Millionen).

Dem Weihnachtsrubel entkommen wir nicht: In die Briefkästen flattern uns täglich Spendenaufrufe und in den Stadt- und Festhallen flankieren Vereine, Organisationen oder Firmen obendrein mit Charity-Veranstaltungen das festliche Treiben. Und selbst Zuhause kann der Ruhesuchende dem Spektakel nicht entgehen: Da spielen die Radiosender pausenlos Weihnachtslieder, so dass Neugeborene bald den Takt klopfen können noch bevor sie das Wort Weihnachten aussprechen können.

Tatsächlich gibt es mindestens drei Bundesländer, in denen Weihnachten nicht mal im Sommer zu Ende ist. Ganzjahresweihnachtsadressen finden sich im baden-württembergisch Rothenburg ob der Tauber, hier gibt es seit vielen Jahren ganzjährig Weihnachtsschmuck zu kaufen. Weihnachtstradition „rund um den Kalender“ gibt es zudem in Sachsen (Pfefferkuchenstadt Pulsnitz) und in Thüringen, wo von Januar bis Dezember in Lauscha Weihnachtsschmuck gekauft werden kann.

Besinnlichkeit und Ruhe kommen in den vorweihnachtlichen Wochen sicher zu kurz. Doch auch „zwischen den Jahren“ geht es rasant weiter. Es soll sogar Weihnachtsmärkte geben, die selbst nach den Weihnachtstagen noch betrieben werden. Hartgesottene Weihnachtsmarktanhänger weisen bei dieser Gelegenheit gern darauf hin, dass die Weihnachtszeit eigentlich ja erst am Dreikönigstag (also am 6. Januar) vorbei ist.

Besonders lebhaft wird es in den letzten Dezembertagen. Da sind alle Furchtlosen unterwegs und legen die Lunte an. Rücken die Uhrzeiger gen Jahreswechsel, sind die Silvesterkanoniere nicht mehr aufzuhalten. Dann bringen sie den Himmel mit Pyrotechnik mächtig zum glühen. Dafür haben die Deutschen im vorigen Jahr übrigens 137 Millionen Euro (Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie) ausgegeben.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Fest und einen guten Rutsch

 

Mit besten Grüßen

Walter Thieme
WTH-Geschäftsführer