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09 Jul

Editorial von Walter Thieme: Sollten wir uns fürs Fliegen schämen?

Wenn zwei einen gleichen Gedanken hegen, dann ist das lange noch nicht dieselbe Sache: Die Umweltschutzdemonstrationen unter dem weltumspannenden Motto „Fridays for Future“ in Anlehnung an Greta Thunberg aus Schweden haben eine hohe Aufmerksamkeit erreicht. Daran kommt wohl niemand mehr vorbei. Und das, obwohl der Gedanke der Generationsverantwortung für Umweltschutz schon häufiger formuliert wurde. Allerdings hatte es zuvor aber nie eine vergleichbare Resonanz gegeben.

So hat beispielsweise der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst zuletzt im Dezember vorigen Jahres in seinem Video „Nachricht an seine Enkelkinder“ aus der Raumstation ISS eindrucksvoll über den Zustand unseres blauen Planeten berichtet und zur Umsicht gemahnt: https://www.rnf.de/mediathek/video/alexander-gerst-nachricht-an-meine-enkelkinder/ .

Auch Hollywoodstars wie Dew Barrymore und Robert Redford engagieren sich für Umweltschutz. Und Leonardo DiCaprio hat die Stiftung „Leonardo DiCaprio Foundation“ gegründet die sowohl das Wohlergehen der Weltbevölkerung als auch das des Planeten Erde unterstützt. Der frühere US-Vizepräsident Al Gore thematisierte schon 2006 die Auswirkung der Treibhausgase und die damit verbundene Auswirkung auf die Erderwärmung in seinem vielbeachtetem Film ‚An Inconvenient Truth‘ (Eine unbequeme Wahrheit).

Meist sorgen solche Aktionen nur für kurze Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Sehr schnell geht es dann wieder zur Tagespolitik und den ‚Sachzwänge‘ zurück. Umweltschutz verblasst in der öffentlichen Wahrnehmung immer wieder zu Gunsten von flüchtlings-, wirtschafts- oder finanzpolitischen Sachverhalten.

Erst mit „Fridays for Future“ ging plötzlich und nachhaltig ein „Ruck“ durch die Gesellschaft und ließ Umweltschutz zu einem beherrschenden Thema werden. Besonders in kleineren und mittleren Nationen wird Umweltschutz zum entscheidenden Thema. Leider setzt sich diese Erkenntnis bei einigen Staats- und Regierungschefs oft nur zögerlich durch.

Und was haben wir, die Bürger, damit zu tun? - Gerade beginnt die Urlaubszeit und wir reisen mit dem Flugzeug in die schönsten Urlaubsregionen. Aber bedenken wir dabei, dass etwa bei einem Kurzstreckenflug über 400km so viel CO2 generiert wird, wie bei 40.000 Zugfahrten gleicher Distanz? Wenn die Bahn für Entfernungen von ein paar 100km eine echte Alternative darstellt, ist sie für Entfernungen ab etwa 1000km auch aus Zeitgründen sicherlich weniger attraktiv.

Andererseits kann man sich fragen, ob Urlaub wirklich erst „weit weg“ schön ist. Auch im eigenen Land gibt es viele Urlaubsregionen mit Seen oder Bergen. Die Anreise ist oft wesentlich komfortabler und möglicherweise auch gesünder. Heute wird sogar auf Fernradwegen durch eindrucksvolle Landschaften vollkommen klimaneutral geradelt.

Wurde früher der Erholungsgrad des Urlaubs im „Bräunungsgrad“ der Haut „gemessen“, wissen wir heute, dass zu intensive Sonnenbäder die Haut nicht nur bräunt, sondern auch altern und manches Gesicht und Dekolleté hellhäutiger Europäer zum „Faltenbalg“ werden lässt. – Vom Krebsrisiko noch ganz zu schweigen.

Ob wir nun mit Auto, Bahn oder Flugzeug in den Urlaub reisen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auch wenn die Urlaubsreise 2019 längst gebucht ist, sollten wir uns fragen, ob Fliegen „just for fun“ in Zeiten von „Fridays for Future“ noch angemessen ist. Dieses Verhalten wird sicherlich zunehmend kritischer gesehen. Andererseits würde es schon eine Menge bringen, wenn wir wenigstens nur noch einmal im Jahr das Flugzeug für die Urlaubsreise nutzten. –  In diesem Sinne erholsame Urlaubstage, wo und wie Sie die auch immer verbringen werden.

Mit besten Grüßen

Walter Thieme
WTH-Geschäftsführer