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03 Sep

Editorial: „Das gehört sich nicht“

In der Wirtschaft gibt es „ungeschriebene Gesetze“ an denen sich Unternehmer und deren Mitarbeiter beinahe selbstverständlich orientieren. Meistens regeln die Anstand, Sitte und Moral im geschäftlichen Leben. Dazu gehört, dass keiner den anderen übervorteilt oder dessen Schwäche ausnutzt. Gern wird dann auch der „ehrbare Kaufmann“ bemüht.

Im Privatbereich kennen wir ähnliche Regeln. Die sind einfach mit „Das gehört sich nicht“ überschrieben. Dahinter steckt, dass wir zupacken, wenn jemand unserer Hilfe bedarf, keinen ins Unglück laufen lassen und es natürlich vermeiden, jemanden „einfach über den Tisch zu ziehen“.

Und wie ist es im öffentlichen Leben? In der „Gesellschaft“, in der Politik? - Da kommt ganz schnell der Gesetzgeber ins Spiel. Moralische Grundsätze wie „Das gehört sich nicht“ reichen hier selten. Offenbar ist das nur mit Gesetzen zu regeln. Eines der Erstaunlichsten in jüngster Zeit war das, welches es jedermann verbietet, Frauen unter den Rock zu fotografieren.

Neudeutsch heißt das „Upskirting“ und findet sich auch unter „Upskirt“ als Rubrik auf pornografisch geprägten Internetseiten. Upskirt-Bilder oder -Videos dienen also voyeuristischem Interesse. Allerdings beim Sport ist ein Upskirt oft praktischen Umständen geschuldet, etwa beim Springen oder beim Tennis. – Es gibt reihenweise Gesetze, die eigentlich Selbstverständliches verbieten: Eltern ist es verboten, ihre Kinder zu schlagen. Männer dürfen ihre Frauen nicht verprügeln. Und Vergewaltigung hat in der Ehe nichts zu suchen. Für das alles würde bei einer gewissen moralischen Stabilität der Betroffenen ein „Das gehört sich nicht“ reichen.

Offensichtlich scheinen mit Blick auf „soziale Medien“ immer mehr allgemeine „Grundanständigkeiten“ des menschlichen Miteinanders unter die Räder gekommen zu sein. Dazu gehört nicht nur das erwähnte Upskirting. Auch dass sich in der „großen Politik“ Staaten und Interessenvertreter in einem von Krieg und Vertreibung gebeutelten Land ernsthaft über die Zahl offener Grenzübergänge zur humanitären Versorgung der Zivilbevölkerung streiten können, treibt einem die Schamesröte ins Gesicht.

Noch ein kleiner Ausflug in die Sprache. Die ist ja immer in Gefahr, so oder so benutzt zu werden: Dass wir bestimmte feurigwürzige Schnitzel namentlich kaum noch auf der Speisekarte finden und nur noch Schaumküsse vernaschen dürfen, wird nicht zum Weltuntergang führen. Aber damit sind wir auch schon auf dem schwierigen Feld der Antidiskriminierung. Auf diesem Acker wird oft mit schwerem Gerät gepflügt. Wir sollten vermeiden, dass sich etwa Menschen namens Mohr oder Mohrmann (o.ä.) nicht irgendwann gedrängt fühlen müssen, ihren Namen zu wechseln. - Das gehört sich nicht…

Mit besten Grüßen

Walter Thieme
WTH-Geschäftsführer