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„Schule für die perfekte Urlaubszeit“

Von Tomasz Wojtas, Polen

Nach meinen Erfahrungen haben wir in Polen irgendwie immer keine Zeit für Urlaub. Außerdem gehören wir wohl zu den Nationen, die am längsten arbeiten. Deshalb fällt es uns auch so schwer, die Arbeit einfach einzustellen – und auszuspannen. Ich brauche meistens drei Tage, bis ich mich überhaupt freuen kann, komplett frei zu haben. 

Größtes Kopfzerbrechen bereitet mir jedes Mal die Reiseplanung und dann die darauffolgende Kofferpackerei. Früher war es für mich auch ein Problem für die Ferien eine Urlaubsvertretung zu bekommen. Seit ich für WTH arbeite, ist das aber kein Problem mehr. Denn im Stader WTH-Büro arbeitet eine ebenfalls polnisch sprechende Kollegin, die einspringt wenn ich weg bin. Das ist für mich natürlich sehr komfortabel – und ich bin dankbar dafür.

Früher habe ich im Urlaub auch regelmäßig gearbeitet. Manchmal mehr als mir selbst lieb war. Das brauche ich heute nicht mehr, denn die Urlaubsvertretung bei WTH funktioniert ja prima. Dennoch versuche ich auch im Urlaub einen gewissen Überblick zu behalten. Ich beantworte dann auch gern mal Anrufe und E-Mails, wenn sie wichtig sind. Aber mein Ziel ist, nicht länger als eine Stunde täglich während des Urlaubs zu arbeiten.

In den „Urlaubs-Modus“ zu kommen, das fällt mir echt schwer. Meiner Frau übrigens auch. Die kann die ersten Urlaubsnächte meist nicht ruhig schlafen. Man müsste eigentlich eine Art Urlaubsschulung haben, um gleich vom ersten Tag an richtig in die freie Zeit eintauchen zu können.

Wenn wir uns dann nach ein paar Tagen an den Urlaub gewöhnt haben, dann passiert es mir zwischendurch immer mal, dass ich doch wieder an die Arbeit denke. Das bekomme ich nicht aus dem Kopf. Es sei denn, es gäbe so etwas wie eine „Schule für die perfekte Urlaubszeit“, die vermittelt, wie man es schafft, in dieser Zeit die Arbeit komplett zu vergessen.

Kein Problem in Polen ist die Akzeptanz der Kunden und Interessenten, wenn man ihnen mitteilt, dass man im Urlaub ist. Doch seit einigen Jahren wird bei uns im Land leidenschaftlich darüber diskutiert, ob wir nicht den „italienischen Urlaubsweg“ beschreiten sollten. Dort machen die Firmen und Geschäfte in der Urlaubszeit einfach zu. Damit habe sie auch keine Probleme hinsichtlich der Urlaubsvertretung.

Von den „Betriebsferien“ ausgenommen sind natürlich öffentliche Stellen, Behörden und Einrichtungen der unverzichtbaren Daseinsvorsorge (z.B. Tankstellen). Wenn ich es richtig beobachtet habe, gehen den „italienischen Weg“ im Süden Europas viele andere Staaten auch. Warum sollte das nicht auch für Polen und andere Länder gehen?

Und ist man nach der Reise wieder zurück, dann fragen alle „Na, wie war dein Urlaub?“ – Ich antworte dann meist: „Der war okay. Aber nächstes Jahr werden wir ihn sicherlich besser planen und uns noch intensiver auf ihn vorbereiten!“